Im Jahr 1000 sandte Olaf Tryggvason, der norwegische König, Leif Ericksson zu einer Seereise nach Grönland aus, das nahe dem nordamerikanischen Festland liegt. Er steuerte mit seiner Mannschaft Island bewusst nicht an, wo es, wie auf Grönland, Ansiedlungen der Wikinger gab. Doch gelang es ihnen nicht, Grönland zu erreichen. Als sie Land sichteten, war es baumbestanden. Grönland war jedoch baumlos. Sie hatten unbekanntes Land entdeckt. Man begann sich in dem baumbestandenen Land fuer längere Zeit einzurichten, um es zu erkunden. Bäume wurden gefällt und Hausbau betrieben.
"Unter den Gefolgsleuten Leifs befand sich ein Deutscher namens Tyrker (Tyrkr), der wahrscheinlich einem deutschen Weinanbaugebiet (Region entlang des Rheins) entstammte." (1)
Als eines Abends der Deutsche fehlte, machte man sich auf die Suche nach Tyrker (Dirk, oder Kurzform von Dietrich). Als er ihnen bei der Suche auf dem Weg entgegenkam, sprach er aufgeregt auf Deutsch davon, dass er Weintrauben aufgefunden hat. Erst nach längerer Zeit konnte er sich den Wikingern in ihrer Sprache darin mitteilen, auf was er gestossen war. Die Wikinger nannten das neue Land deshalb Vinland, was Weinland bedeutet, berichtet eine Ueberlieferung.
Beladen mit Holz, aufgefundenem Getreide und Weintrauben machten sie sich nach einiger Zeit in ihren seetuechtigen Booten auf den Weiterweg nach Grönland. Als sie dort anlangten, berichteten sie von ihrem Aufenthalt in einem unbekannten Land, das viele Jahre später "Amerika" genannt wurde.
Während Leif Eriksson mit seiner Mannschaft nach Norwegen zurücksegelte, um dem König von seiner Reise zu berichten, segelten die Grönlaender nach Nordamerika, um der Kunde nachzugehen. Sie trafen dort alles so an, wie ihnen berichtet wurde, und begannen, eine Ansiedlung anzulegen. Die Archäologen fanden später die Siedlungsreste dieser Wikingersiedlungen an der Küste Nordamerikas, als sie Berichten in den alten Überlieferungen vor Ort nachgingen. Ein Deutschsprachiger war also unter den ersten Europäern, die Amerika betraten.
Auch in einer Chronik des Bremer Domscholars, die Adam von Bremen verfasst hatte, wird von der Entdeckung von "Vinland" berichtet. Adam von Bremen erfuhr im Jahre 1070 am Hofe des dänischen Königs Svein Estridson von diesem neuen Land jenseits des Nordmeeres. Von Norddeutschland aus gelangte diese Kunde in das übrige deutschsprachige Gebiet und selbst bis nach Italien. Das ist erstaunlich.
Adam von Bremen berichtet in seiner Chronik auch von einer Amerikafahrt der Friesen, die im Auftrag des Erzbischofs Adalbert von Bremen und Hamburg aufbrachen, um den neuen geographischen Kenntnissen nachzugehen. Als man aufbrach, hiess es noch
"dass man von der Mündung der Weser aus in gerader Richtung nach Norden kein Land antrifft, sondern nur das grenzenlose Weltmeer",
schreibt Armin M.Brandt. (2)
Einige "vornehme, friesische Edelleute", so die Chronik, machten sich auf den Weg über das Weltmeer. Auf was genau diese Entdecker gestossen waren, weiss man nicht. Es wird vermutet, dass sie ebenfalls Amerika betraten. Ihre Seereise verlief glücklich, denn alle kamen wohlbehalten zurück. Interessant ist vielleicht dieser Hinweis:
"Die isländische und grönländische Kirche unterstand dem Erzbischof von Hamburg und Bremen, das man als >>nordisches Rom<< bezeichnete." (3)
Auch ein Schreiben des Kieler Bürgermeisters und Kaufmanns Carsten Grip, das auf den 3.März 1551 datiert ist und sich an den König Christian III. von Dänemark richtet, nennt deutsche Seefahrer auf einer nördlichen Westfahrt zur Entdeckung eines Seeweges nach Indien. Zuvor, im Jahre 1492, war Christoph Kolumbus auf einer Seereise bis Mittelamerika gelangt, fand aber nicht den Seeweg nach Indien. Zur Zeit des dänischen Königs Christian I. war eine dänisch-portugiesische Expedition zu einer Nordlandfahrt ausgeschickt worden. Die Admirale Hans Pothorst und D.Pinning gelangte vermutlich bei dieser Unternehmung bis Nordamerika. Der Bericht zu ihrer Reise vermeldet einen Überfall durch Eskimos auf ihre Schiffe. (4)
Der deutsche Amerikafahrer Admiral H.Pothorst ist durch eine Wandmalerei in der Liebfrauenkirche in Helsingör, Dänemark, verewigt worden. Dietrich Pining und Hans Pothorst stammten aus Hildesheim, konnte inzwischen nachgewiesen werden. Beide hatten sich der Seefahrt verschrieben. Nach anderen Tätigkeiten waren die niederdeutschen Seefahrer schliesslich dänische Admirale geworden und operierten im Auftrag der dänischen Krone. Der portugiesische König Alfons V., auch der Afrikaner genannt, hatte sich nach der Eroberung von Tanger (1471) mit der Idee an den dänischen König Christian I. gewandt, eine gemeinsame Expedition auszurüsten, um den Seeweg nach Indien auf einer nördlichen Route zu finden. Drei Karavellen und ein Versorgungsschiff, also eine kleine Flotte, die von Pothorst und Pining befehligt wurde, wurden losgeschickt. Die portugiesischen Grafen Joao Vaz Corte-Real und Alvaro Martino Homem waren in ihrer Begleitung. Als sie Grönland erreichten, fanden sie nur noch die Ruinen der Wikingersiedlungen vor. Es wird angenommen, dass sie bis zur amerikanischen Küste weiterfuhren, zunächst möglichrweise nur bis Neufundland, da die Wetterverhältnisse sie dorthin zwangen. Auch diese Unternehmung wurde erfolgreich abgeschlossen. Alle kamen wohlbehalten zurück.
"In geographischen Werken des 16. und 17.Jahrhunderts finden sich zahlreiche Angaben über eine dänisch-portugiesische Expedition, die bis zur Ostküste Nordamerikas gelangte." (5)
Auch ein zusätzlicher Hinweis ist interessant:
"Aus einer Pariser Karte aus dem Jahre 1551 geht hervor, dass sich diese Forschungsreise nicht nur auf eine Fahrt nach Grönland beschränkte, sondern bis in die Gebiete am St.Lorenzstrom vorstiess." (6)
Weitere Quellen verweisen auf diese Amerikafahrt von Pothorst und Pining. Man geht davon aus, dass sie auch die Kap Breton-Inseln, Neuschottland und selbst das Kap Cod angefahren hatten, Gegenden, die auch schon die Wikinger aufsuchten. Durch Kolumbus und den Seefahrer Vespucci war die Kenntnis von der Neuen Welt erweitert worden, sodass es 1507 zur Herausgabe einer Weltkarte durch Waldseemüller (und Ringmann) kam. Es gab dazu ergänzendes Material:
"Dazu gehörten auch zwölf Globusstreifen zum Aufkleben auf eine Kugel und eine Begleitschrift >>Cosmographica Introductio<< in lateinischer Sprache" (7)
Dazu ist erwähnt, dass dieses neue Land im Westen nach dem Entdecker Amerigo Vespucci "Land des Amerigo, oder >America< genannt werde. Der Begleittext soll von Matthias Ringmann verfasst worden sein, dem man inzwischen die Benennung des neuen Kontinents mit dem Namen Amerika zuschreibt.
Nachdem auch Kolumbus bis Amerika gelangt war, was zur europäischen Besiedlung Süd- und Mittelamerikas führte, beauftragte der Statthalter der niederländischen Generalstaaten, die sich aus dem von Spanien verwalteten Gebiet herausgelöst hatten, den englischen Seefahrer Henry Hudson, einen kürzeren Seeweg nach Indien zu finden. Hudson stiess 1609 auf eine breite Wasserstrasse, die sich schliesslich als ein nordamerikanischer Fjord und Fluss entpuppte. Dieser Fluss wurde später nach ihm Hudson River benannt.
Auf Henry Hudson folgte die Expedition von Adriaen Block im darauf folgenden Jahr. Sein Partner auf dieser Seereise war ein Deutscher, nämlich Hendrick Christiansen, der aus Kleve am Niederrhein stammte. Auch sie kamen zum Hudson River und kehrten mit Bieberpelzen und anderen Handelwaren nach Holland zurück, was in Holland ganz direkt zur Gründung von neuen Handelsgesellschaften führte, die weitere Seefahrten finanzieren wollten. Adriaen Block und Hendrick Christiansen kehrten folglich nach Amerika zurück, wo sie am Hudson River eine niederländische Handelsniederlassung einrichten sollten.
Während H.Christiansen am Hudson River an der Südspitze von Manhattan eine Siedlung aufbaute, segelte Adriaen Block an der Küste Neuenglands entlang und erkundete Kap Cod und andere Küstenstrecken. Als er wieder am Hudson River eintraf, hatte H.Christiansen bereits mehrere Blockhäuser errichten lassen und den Handel mit den Indianern in Gang gesetzt. Er war auch den Fluss bis auf die Höhe des heutigen Albany gesegelt, wo er eine kleine Befestigung als zweite Handelsstation einrichtete. Nachdem beide Seefahrer nach Holland zurückgekehrt waren, wurde der Deutsche mit weiteren Seefahrten nach Neuholland beauftragt.
"Der Reeder Hendrick Christiaensz hat insgesamt ein Dutzend Fahrten zum Hudson River unternommen, während Andriaen Block anscheinend nie wieder nach Amerika segelte. Von einer dieser Handelsreisen brachte der Kaufmann sogar zwei Indianer mit nach Holland, die er nach den Gestalten eines Ritterromans >>Valentin<< und >>Orson<< nannte." (8)
Leider brachte ihm das kein Glück, denn Christiansen wurde von einem dieser Indianer ermordet.
Nach dem Deutschen Christiansen gelangte Peter Minuit im Auftrag der inzwischen gegründeten Niederländisch-Westindischen Kompanie nach Amerika. Er war von Geburt her ein Bürger der Stadt Wesel. Seine Vorfahren waren aus Südfrankreich in die Grafschaft Wesel eingewandert. Peter Minuit, ein geschäftstüchtiger Händler, sollte als Direktor der holländischen Kompanie den stagnierenden Pelzhandel am Hudson River wieder in Schwung bringen. Seine Ernennung zum Direktor der holländischen Kolonie erhielt er im Jahre 1625. Sein Ziel war ein ehrbarer Handel mit den Indianern im Hudson River-Gebiet. Minuit traf am 4.Mai 1626 an der Mündung des Hudson River ein, wo sich am Südende Manhattans ein mit Palisaden umgebener Handelsposten der Holländer befand.
Kaum war er an Land und hatte die Amtsgeschäfte von Willem Verhulst übernommen, ordnete er auch schon den Bau eines Forts neben der Ansiedlung an.
"Der Generaldirektor vollzog persönlich den ersten Spatenstich für die Befestigung. Dann machte sich Baumeister Crijn Fredericksen, der Minuit seit Wesel begleitete, mit dem Kolonialsekretär Johann Lampo ans Werk. Der Posten wurde als Fünfeck mit fünf vorspringenden Bastionen angelegt. Wälle und Palisaden wurden aufgeworfen und Wassergräben gezogen." (9)
Peter Minuit war es auch, der den Indianern die Insel Manhattan abkaufte. Ein solcher Kauf war ihm von der holländischen Kompanie nahegelegt worden, um klare Geschäftsverhältnisse zu haben. Den Indianern wiederum war nicht bewusst, auf was sie sich da einliessen, da ihnen Besitzübertragungen durch Kauf unbekannt waren. Als in Neuholland am Hudson River gegen Peter Minuit intrigiert wurde und sich die Verhältnisse zuspitzten, wurde er durch einen Nachfolger ersetzt. Doch seine Erfahrung wurde gebraucht. Im Auftrag der schwedischen Regierung segelte er später mit Auswanderern nach Amerika, um im Gebiet des Delaware River eine schwedische Kolonie zu gründen.
Im Zusammenhang mit diesem Projekt kam die erste deutsche Auswanderer-Flugschrift heraus. Dem schwedischen König schwebte ein gemeinsames Projekt mit deutschen Ländern vor. Man traf sich zu Beratungen:
"Ohne feste Vorstellungen, was letztlich zu erwarten sei, trafen sich am 12.Dezember 1634 in Frankfurt/Main führende Repräsentanten der norddeutschen Länder. Die Städte Emden, Stettin und Stralsund, ebenso die Herzöge von Pommern und Livland entsandten ihre Vertreter." (10)
In Deutschland blieb man unschlüssig, wie man auf das Projekt eingehen sollte. Schliesslich fanden sich etwa 50 schwedische und finnische Auswanderer, aber keine deutschen, die bereit waren, in Amerika eine schwedische Kolonie ins Leben zu rufen. Anfang März 1638 trafen diese Auswanderer zusammen mit Peter Minuit in Amerika ein, wo Peter Minuit am Delaware River mit Indianern in Verhandlungen trat und mit ihnen erfolgreich eine Gebietsabtretung aushandelte.
"Nun konnte Leutnant Kling, zugleich Landvermesser, mit der Errichtung der Siedlung beginnen. Man rodete Wälder, legte Felder an und trocknete die Sümpfe aus. >>Christina Hamm<< (Fort Christina) bildete den Grundstock der heutigen Stadt Wilmington - die erste europäische Niederlassung im US-Bundesstaat Delaware." (11)
Auf einer Seereise in die Karibik kam Peter Minuit in einem Sturm ums Leben.
Im Jahr 1642 wurde seine Position als Direktor von Neuschweden durch Johann Printz von Buchau, ebenfalls ein Deutscher, besetzt. Printz traf im Jahre 1643 ein.
"In seiner Begleitung befanden sich deutsche Siedler aus Pommern und Westpreussen, die Ackerbau betreiben und Tabak pflanzen wollten. Zu ihrem Schutz liess er Fort Elfsborg bei Varkens Kill errichten. Seine Residenz, bekannt als >>Printzhof<<, lag auf Tinicum Island, mehrere Meilen nördlich von Fort Christina im Delaware River." (12)
Es kam zu weiteren Bauten, denn es heisst: "In der Kolonie selbst errichtete man das Fort Korsholm, eine Kirche, eine Werft, eine Wassermuehle und andere Gebäude. Darunter befand sich eine Brauerei, weshalb Printz auch als >>Gambrinus in Amerika<< in die Geschichte eingegangen ist." (13)
1653 wurde Printz durch einen neuen Gouverneur ersetzt. Als dieser eintraf, fasste er den falschen Entschluss, das Fort Nassau der Holländer am Delaware River anzugreifen. Dies führte zu einem Konflikt mit der holländischen Kolonie, die von Manhattan aus verwaltet wurde. Dort wurde eine Streitmacht zusammengestellt, welche der schwedischen Kolonie ein Ende bereitete. Im Jahre 1655 sahen sich die Schweden gezwungen, ihre Kolonie den Holländern zu überlassen.
Armin M.Brandt hat eine Aufzählung zusammengestellt, welche Deutsche für die Niederländisch-Westindische Kompanie in Amerika tätig waren: Johannes Huyghen (aus Wesel), Peter Petersen (aus Bielefeld), Dr.Lubertus von Dinklage, Tilman van Vleeck (aus Bremen), Johannes Ernst Gutwasser (aus Leipzig), Jakob Fabricius (aus Schlesien), Dr.Paulus van der Breek (aus Bremen), Dr.Wilhelm Trophagen (aus Detmold), Dr.Hans Kierstede (aus Magdeburg), Paul Schriek (aus Nürnberg), Gysbert Opdyck (aus Wesel), Hieronymus Ebbing (aus Hamburg) und Nikolaus de Meyer (aus Hamburg). Es heisst:
"Meyer, der grosse Güter besass, wurde 1676 gar Bürgermeister von New York." (14)
Deutsche wurden manchmal ganz direkt angefordert. So wandte sich etwa der englische Kolonisator John Smith im Jahre 1609 an den Rat sowohl der Kolonie in Virginia wie auch nach London an die "Virginia Company" mit der Forderung:
""Schickt uns Arbeiter aus Deutschland!" Smith hielt sie für fleissig und seine eigenen Landsleute für zu faul und bequem, um die Besiedlung Amerikas durchzuführen." (15)
Man kann weitere Deutsche anführen, die für die Erkundung und Erschliessung Amerikas wichtig wurden. So gelangte der Hamburger Johannes Lederer 1668 auf einem Segelschiff von Deutschland aus nach Jamestown in Virginia. Er stellte sich dem Gouverneur William Berkeley vor, der von seinen Ausführungen beeindruckt war und ihn zu Forschungen in die westliche Bergwelt Virginias schickte.
"Zur Legitimation seiner Arbeit erhielt Johannes Lederer vom Gouverneur eine >>Bevollmächtigung zur Entdeckung neuer Gebiete<< ausgehändigt und gleichzeitig den Befehl über eine Forschungsexpedition übertragen." (16)
Lederer durchforschte das westliche Virginia bis zu den Blue Ridge Mountains, heute eine Touristenattraktion. Die zweite Expedition diente dazu, einen Durchlass durch die Hauptgebirgskette in den Carolinas aufzufinden, erwähnt Brandt. Auf einer dritten Unternehmung kam er bis in die Gegend des heutigen Fredericksburg, wo bisher unbekanntes Land betreten wurde. Seine Reiseaufzeichnungen wurden später veröffentlicht:
The Discoveries of John Lederer in Three Several Marches from Virginia to the West of Carolina, and Other Parts of the Continent; Begun March, 1669, and ended in September, 1670, together with a General Map of the Whole Territory Which he Traversed. London, 1672
Vom Gouverneur Charles Calvert erhielt er 1671 die Erlaubnis, mit Indianerstämmen Handel zu treiben. 1674 versuchte Lederer eine Schiffspassage zu finden, um nach Hamburg zurückzukehren. Da das nicht gelang, zog er weiter nach Connecticut. Bevor sich seine Lebensspuren verlieren, lebte er ab 1675 auf den Barbados. Brandt, der all das zusammentrug (17), berichtet auch von einem weiteren Deutschen, der in Amerika tätig wurde, um Forschungen zu betreiben.
Augustin Herrmann war von London aus nach Virginia gelangt, siedelte aber von dort nach Neu-Amsterdam um, wo er mit Dr.Georg Hack (aus Köln) eine Tabak-Handelsgesellschaft ins Leben rief. Schliesslich wurde er ab 1647 für die niederländische Kolonie als Kartograph tätig. Seine Arbeit auf diesem Gebiet fand Anerkennung, denn bald darauf wurde er zu einem genauen Kartenwerk zu der Kolonie Maryland beauftragt, mit der die Grenzstreitigkeiten zwischen Maryland und Virginia beigelegt werden konnten. Man gab ihm dafür das Bürgerrecht in Virginia, wo er sich mit seiner Familie ansiedelte, und zwar auf einem Landstück, das er als Aufwandsentschädigung erhalten hatte. Er baute sich auf seinem Landstück, das er deutlich vergrössern konnte, ein stattliches Herrenhaus. (18)
Das Rad der Geschichte drehte sich weiter. Von Franz Daniel Pastorius wird gesagt:
"Er war der Gründer der ersten dauernden Ansiedlung von Amerikanern deutscher Abstammung." (19)
Und der Schreiber setzt fort:
"Es gab eine Zeit, wo man dieses Element vollkommen würdigte. Gesetzgeber von Pennsylvania, lernt aus der Geschichte Eurer deutschen Mitbürger, dass Ihr einen unerschöpflichen Schatz in Eurem Staate habt in Ihren Sitten und in Ihren Künsten! Kämpft nicht dagegen, dass sie ihre Sprache beibehalten!" (20)
Dies und viel mehr über die Deutschsprachigen schrieb Benjamin Rush, als er 1773 eine Botschaft an die englischen Bewohner in Amerika herausgab.
Franz Daniel Pastorius, der nach Amerika auswanderte, reagierte mit etlichen anderen Deutschsprachigen auf eine Einladung von William Penn, westlich vom Delaware River in Amerika zu siedeln. William Penn war durch Deutschland gereist, um Siedler "für einen Landstrich in der Neuen Welt" zu finden, der Pennsylvania genannt werden sollte. Penn wollte seinen Glaubensgenossen, den Quäkern/Mennoniten, die in Europa religiös verfolgt wurden, eine Zuflucht bieten, wo sie ungestört leben konnten. Penn reiste selbst nach Amerika, um mit den Indianern über eine Gebietsabgabe zu verhandeln. Der Vertrag kam am 23.Juni 1683 zustande, woraufhin eine Besiedlung durch europäische Siedler beginnen konnte.
Pastorius, der aus Westfalen stammte, studierte Rechtswissenschaft an der Universität Altdorf, wo er auch seinen Doktortitel erhielt. Schliesslich lebte er in Frankfurt, wo er mit dem verschwenderischen Leben der höheren Gesellschaftskreise vertraut wurde, was ihn abstiess. Als er von Penns Aufruf, in Pennsylvania zu siedeln, hörte, schloss er sich dem Unternehmen an.
In Frankfurt am Main hatte sich der "Frankfurter Kreis" gebildet, der die Auswanderung organisierte. Die Pflege und Verwaltung des Vermögens, des Landbesitzes und der Rechte, die von William Penn übertragen wurden, sollte Pastorius regeln. Als er dies getan hatte, begab sich Pastorius nach Krefeld, um weitere mennonitische Auswanderer in das Projekt einzubeziehen. Am 6.Juni 1683, nach seinem Aufenthalt in Krefeld, schiffte er sich mit einigen Frankfurtern für die Reise nach Amerika ein, wo er am 16.August anlangte. Am 20.August traf er in Philadelphia ein, wo er von William Penn freundlich aufgenommen wurde.
"Den Bewohnern der neuen Ansiedlung folgend, erbaute sich Pastorius sein erstes Häuschen, das nicht grösser als dreissig Schuh lang und fünfzehn breit war. Da Glas nicht vorhanden war, verklebte er die Fensteröffnungen mit ölgetränktem Papier." (21)
Gemeinsam mit Penn wartete Pastorius in Philadelphia auf die Einwanderer aus dem deutschen Sprachraum. In Frankfurt und Krefeld hatte man alle Vorbereitungen zur Abreise getroffen. Die beiden Gruppen hatten sich unterschiedlich organisiert:
"Die Frankfurter bildeten eine geschlossene Genossenschaft. Dagegen waren die Krefelder keine Gesellschaft im juristischen Sinn; jeder einzelne konnte über seinen Landanteil verfügen." (22)
Nur in der Person des Franz Daniel Pastorius bestand zwischen den beiden Auswanderergruppen ein einigendes organisatorisches Band.
Das Schiff "Concord" brachte die 13 Familien aus Krefeld, die rechtzeitig nach Gravesend gekommen waren, nach Amerika. Es lichtete am 24.Juli 1683 den Anker und traf am 6.Oktober in Pennsylvania ein. Aufgrund der Tatsache, dass nur Auswanderer aus Deutschland auf diesem Schiff waren, nennt man die "Concord" auch "die deutsche Mayflower".
Man beging, in Amerika angekommen, mit William Penn die Gebiete, die für eine Ansiedlung der Frankfurter und Krefelder infrage kamen, und einigte sich schliesslich auf ein grosses Landstück, das bis an den Schuylkill River reicht und relativ eben ist. Sechs Meilen von Philadelphia entfernt, war es 5.700 Acres gross, konnte aber bald darauf durch Ankäufe um eine größere Fläche erweitert werden. Für die deutschen Siedler brach eine schwere Zeit an, die durchstanden werden musste. Doch gelang es schliesslich, nach Rodungen und Hausbau, sich einzurichten. Durch Handwerksarbeit konnte man sich ein Zusatzeinkommen schaffen. Pastorius hat uns aus dieser Zeit eine Beschreibung hinterlassen:
"Den Ort nannten wir Germanopolis (Germantown), welches der Teutschen item Brüder Stadt bedeutet. etliche gaben ihm den Beinamen Armen-Town, zumal viele der vorgedachten Beginner sich nicht auf etliche Wochen, zu geschweigen Monate, provisionieren konnten." (23)
Das grössere Gebiet der Deutschen, die German Township, teilte man in vier Teile auf. Ein Teil davon war Germantown, die anderen Teile nannte man Griesheim, Sommerhausen und Krefeld. "Das eigentliche Stadtgebiet von Germantown zerfiel in 55 gleiche Teile von je fünfzig Acres. Jeder Siedler bekam aber sein Land in verschiedenen Bezirken angewiesen. Durch die ganze Siedlung zog sich eine rund sechzig Fuss breite Strasse, die mit Pfirsischbäumen eingefasst war. Längs dieser Hauptstrasse lagen die einzelnen Häuser, die alle einen drei Acres grossen Gemüse- und Blumengarten aufwiesen." (24)
Erster Büergermeister von Germantown wurde Franz Daniel Pastorius.
Noch zu seiner Zeit verfasste man einen öffentlichen Aufruf, mit dem sich die Bürger von Germantown gegen die Sklaverei wandten. Der Aufruf fruchtete. Nachdem sich die Quäker von Pennsylvania auf einer Versammlung für die Abschaffung der Sklaverei in Amerika aussprachen, kam es 1780 zu einem Gesetz, das in Pennsylvania die Sklaverei verbot. Man kann das als einen grossartigen Beitrag der deutschen Stadtgründer von Germantown ansehen.
Germantown ist im Jahre 1854 ein Stadtteil der grösseren Stadt Philadelphia geworden. Schon zu der Zeit, als sich Germantown herausbildete, nahm die Einwohnerzahl von Philadelphia rasch zu. Die deutsche Sprache, welche die Einwanderer mitbrachten, blieb in Pennsylvania bis heute in Gebrauch.
Karl-Ludwig Diehl
Anmerkungen:
(1) zitiert aus: Armin M.Brandt: Bau deinen Altar auf fremder Erde. Die Deutschen in Amerika - 300 Jahre Germantown. Stuttgart-Degerloch, 1983. S.23
(2)-(3) zit.aus: A.M.Brandt, wie vor, S.28
(4) siehe dazu in: A.M.Brandt, wie vor, S.32
(5)-(6) zit.aus: A.M.Brandt, S.35
(7) zit.aus: A.M.Brandt, S.42
(8) zit.aus: A.M.Brandt, S.48
(9) zit.aus: A.M.Brandt, S.53
(10) zit.aus: A.M.Brandt, S.62
(11) zit.aus: A.M.Brandt, S.64
(12) zit.aus: A.M.Brandt, S.65f.
(13) zit.aus: A.M.Brandt, S.66
(14)-(15) zit.aus: A.M.Brandt, S.70
(16) zit.aus: A.M.Brandt, S.72
(17) siehe bei: A.M.Brandt, S.69ff.
(18) siehe dazu genauer bei: A.M.Brandt, S.78f.
(19)-(20) Dr.Benjamin Rush zitiert bei A.M.Brandt, wie vor, S.83
(21) zit.aus: A.M.Brandt, wie vor, S.87f.
(22) zit.aus: A.M.Brandt, S.88f.
(23) Franz Daniel Pastorius zitiert bei: A.M.Brandt, wie vor, S.93
(24) zit.aus: A.M.Brandt, S.93f.